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Multimedia-Landschaften
für Kinder
 

 

Der Computerausflug - wie wir ihn erlebten
von
Irmingard Lachmann- von Bally
Leiterin der Kindertagesstätte Großhaderner Straße 52 a

Als uns angekündigt wurde, eine Kindergruppe jedes Bezirks könne mit ihren Erzieherinnen zum "Computerspielen" gehen, war ich sofort Feuer und Flamme. Das machen wir!

Das Thema "Kinder und Computer" war für mich nichts Neues, da ich zuhause - 3 Kinder, 2 Computer - schon öfters damit konfrontiert worden war, geeignete Software zu finden. Aber auf die Idee, dies könne ein Thema für den Kindergarten sein, war ich noch nicht gekommen.

Eine Kollegin war auch sofort mit von der Partie, aber weitaus skeptischer. Ob das für unsere Kindergartenkinder wirklich das Richtige ist? Aber Ausprobieren kann nicht schaden, zumal wir nicht einfach irgendwo hingehen sollten, um ein bißchen herumzuspielen. Wir sollten im "Studio im Netz" unter medienpädagogischer Begleitung Erfahrungen mit Vorschulkindern und Computern sammeln. Mit unserer sofortigen Anmeldung rannten wir offene Türen ein, wir waren in unserem Bezirk die einzigen Interessenten.

Nachdem wir ein Vorbereitungsgespräch absolviert hatten und der Termin feststand, stellten wir unsere Gruppe zusammen. Wir brauchten 15 fünf- und sechsjährige Buben und Mädchen, möglichst unterschiedlich in Temperament, Nationalität, Interessen und Vorerfahrungen, die gern mitkommen wollten. Die Zahl der Kinder auf 15 zu beschränken war das größte Problem, deshalb hatten wir auch nicht im Vorfeld die gesamte Elternschaft informiert.

Schließlich hatten wir eine bunte Mischung zusammen: 7 Mädchen und 8 Buben aus 6 Ländern, die meisten ohne jegliche Computererfahrung, aber alle hoch motiviert. Den Jüngsten, Christian, 5, nahmen wir mit, weil er zu dieser Zeit Probleme hatte, sich in die Gruppe zu integrieren und gar nicht mehr gern in den Kindergarten kam. Andernteils war er der einzige, der daheim öfters am Computer spielen durfte.
Nach langer Reise mit Bus und U- Bahnen kamen wir bei dem riesigen Gebäude an und eilten aufgeregt die vielen Treppen hinauf, wo wir bereits sehr herzlich empfangen wurden. Wir betraten mit Spannung und Herzklopfen einen großen Raum, in dem, neben anderen spannenden Sachen, die Wände entlang Computer aufgestellt waren, auf denen Kuscheltiere saßen.Zuerst setzten wir uns alle zusammen, die Kinder bekamen -soweit sie wollten - gleiche T-Shirts angezogen, außerdem bekam jedes ein Namensschild auf den Rücken geklebt und einen Schnellhefter ausgehändigt, in denen sie ihre Werke mit heim nehmen konnten. Daniela war ganz begeistert: "Endlich habe ich eine eigene Mappe, die brauche ich schon lange!" Natürlich stellten wir uns auch alle vor und die Kinder erzählten, was sie schon von Computern und solchen Sachen wussten. Hans- Jürgen Palme und die anderen Leute vom Studio im Netz stellten sich auch vor und erzählten uns, was wir in den nächsten Stunden zusammen machen würden. Als erstes zeigten sie uns die Kinder- Büroecke mit Schreibmaschine, Ordnern, Stiften, Locher und allem, was zu einem Büro so gehört und den Kopierer. Sofort wurden mindestens 20 Hände, Arme und diverse Gegenstände kopiert und die Blätter anschließend gelocht und in die entsprechenden Mappen eingeordnet.Dann ging es aber auch schon darum, die Computer näher kennen zu lernen, nur Anamarija blieb glücklich und zufrieden in der Büroecke und werkte dort emsig. Immer 2-3 Kinder setzten sich an einen PC und probierten als erstes die Tastatur aus. Die Ergebnisse konnten sofort auf dem Bildschirm bewundert werden:
123456 h t rrrrr mma ..............öällrlrlrlörelena,,ooooooooooooooooooliver,,,,,tt5678.
Jetzt schwirrten viele Fragen durch den Raum: "Wie schreibt man denn große Buchstaben? Ich will aber eine neue Zeile! Warum macht der so viele O, ich brauch´ doch nur eins? Jetzt kam Christians große Stunde, er konnte Oliver erklären, dass ganz viele O´s kommen, wenn man zu lange auf die Taste drückt. Aha! Nochmals kurz gedrückt, es klappte! Auch die anderen Sachen konnten zufriedenstellend geklärt werden. Die fertigen "Texte" wurden selbstverständlich auch ausgedruckt und gegebenenfalls kopiert. Selbst Anamarija wurde zu den Computern gelockt, als sie sah, dass man da "fast wie auf einer Schreibmaschine" schreiben kann. Jetzt kam aber auch spezielle Software für den Vorschulbereich zum Einsatz. Auf jedem PC wurde ein anderes Spiel gestartet und schon ging es los. Viele Kinder bedienten die Maus mit einer Selbstverständlichkeit, als hätten sie dies schon ein Leben lang getan: Andere verrutschten die Maus beim Drücken der Taste, sie kamen besser mit dem "Power- Ball", der "Kindermaus" zurecht.
Wir Erzieherinnen schauten verschiedenen Gruppen über die Schultern, studierten die schönen bunten Schachteln und versuchten heraus zu finden, wobei es bei den einzelnen Spielen überhaupt ging. Unser Vorsprung, durch den wir beim Schreiben Hilfestellung geben konnten, war auf einmal weg. Die Kinder hingegen probierten einfach aus, beratschlagten gegenseitig und holten die SIN-Mitarbeiter, wenn sie wirklich nicht vorwärts kamen oder etwas genauer wissen wollten. Die meisten blieben bei ihrem Spiel oder wollten nach einer gewissen Zeit ein anderes versuchen. Nur Marcel, Selin und Daniela schauten immer wieder zu den anderen Computern, ob da nicht doch was noch Besseres war. Als wir dann zusammen ein Kinderlexikon starteten, fand das vor allem Selin recht interessant "das ist was zum Lernen für Schulkinder und wir kommen bald in die Schule, da brauchen wir das."Aber schon war es Zeit, Brotzeit zu machen. Wir gingen ein Stockwerk hinunter, dort packten wir unsere Taschen und Rucksäcke aus, aßen und tranken und besprachen das bisher Erlebte. Anschließend machten wir ein flottes Bewegungsspiel, und schon ging es wieder zu den Computern. Obwohl auch eine Spielkonsole im Raum stand, zog es alle sofort wieder zu "ihrem" PC. Elena, Oliver und Christian, die vorher bereits von "König der Löwen" äußerst angetan waren, hatten nun mit "Max und das Schlossgespenst" ein ungemein packendes Spiel erwischt, das auch mich total in seinen Bann riss. Es ist uns leider nicht geglückt, in der verbliebenen Zeit alle Socken zu finden! Auch meine Kollegin fand mehr und mehr Spaß daran, mit den Kindern am Computer zu spielen. Mitten im größten Spieleifer wurde plötzlich vom Aufhören gesprochen. Das kam keinem von uns gelegen, aber was sein muss, muss sein, schließlich hatten wir noch einen weiten Heimweg vor uns.Um uns den Abschied zu versüßen "warf" Herr Palme die CD vom Hasen und vom Igel "an die Wand", das heisst wir sahen über den Beamer das Bild ganz groß an der Wand und alle durften mitbestimmen, was angeklickt werden sollte. Das war eine Gaudi! Die Geschichte hat uns gut gefallen, aber am allerbesten war die Seite, wo alle Tiere, die man anklickte Musik machten, und am aller-allerbesten auf dieser Seite war der Biber. Nicht nur weil acht unserer Kinder aus der Bibergruppe kamen, ertönte immer wieder auf dem Heimweg: Ich bin der Biber mit der Kappe und meine Raps sind nicht von Pappe.Wir waren alle zusammen so begeistert von unserem Computerausflug, dass wir uns wünschten, so etwas sollte es öfters geben, allerdings vielleicht ohne Ausflug, denn die Hin- und Rückfahrt mit der langen Fahr- und Gehzeit wäre für viele allein schon genug Anstrengung und Attraktion. Die nachfolgenden Gespräche mit den Kindern und die Befragung der Eltern durch Fragebögen verliefen durchwegs positiv. Auch Christian hatte neuen Aufschwung bekommen und kam jetzt wieder viel lieber zu uns. Um es mit Elena zusammen zu fassen "die Spiele waren ganz toll, aber am besten war - die Leute waren so nett!"

 
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